Der Blitz im Schnoor

Der Blitz im Schnoor

Eine Installation von Frank Riepe
05.07. bis 25.07.2019
Finissage: Donnerstag, 25.7. , 19 Uhr

Kraft und Energie kennzeichnen einen Blitz – eine eindrucksvolle Entladung himmlischer Elektrizität. Erst ein Grummeln, dann plötzlich tritt er auf, begleitet von Donner. Augenblicklich verändert er die gerade noch bestehende Atmosphäre von Räumen und Landschaften radikal. Dunkel wird hell, kalt wird heiß.

Als der Künstler Frank Riepe an einem dunklen und ungemütlichen Abend im März 2017 den Ausspann betritt, findet er es warm und erleuchtet vor. Er trifft auf Menschen und plaudert mit ihnen über das Haus und seine Geschichte, Kunst, Flüchtlinge, den Schnoor. Die Nacht breitet sich aus und als er gefragt wird, was er hier machen würde, wie er sich in das Projekt Künstlerhaus Ausspann einbringen würde, ist für ihn sofort klar:
Ein temporärer intensiver Eingriff.

Video: ssaber43 (Instagram)

Raum und Nutzung zeitweilig auf den Kopf stellen. Neue Blicke wagen. Den nächsten Schritt gehen: Das Haus, den Raum als Objekt und als Skulptur denken. Den Ansatz, Neues in den Schnoor zu bringen, Materialität werden lassen. Dabei auch die aktuelle, räumliche, neue Nutzung künstlerisch zu hinterfragen. Den Blick weiterentwickeln. Neue Einsichten gewinnen.

Raum und Nutzung zeitweilig auf den Kopf stellen. Neue Blicke wagen. Den nächsten Schritt gehen: Das Haus, den Raum als Objekt und als Skulptur denken. Den Ansatz, Neues in den Schnoor zu bringen, Materialität werden lassen. Dabei auch die aktuelle, räumliche, neue Nutzung künstlerisch zu hinterfragen. Den Blick weiterentwickeln. Neue Einsichten gewinnen.

Wie jetzt? Ganz einfach: einen Blitz durchs Haus schicken. Auf der einen Seite rein, auf der anderen wieder raus. Einmal alles neu beleuchten und verändern. Eine architektonische Intervention in historische Bausubstanz und somit eine respektvolle Konfrontation des historischen Raumes mit einer aktuellen Herausforderung. Der Blitz tritt auf der Hinterseite durch eines der großen Fenster ein, durchläuft den Tresenraum und zieht sich im Zickzack durch die Gaststube. Bis zu 2m stark könnte er werden, Böden, Wände, Decken streifen und durch eines der kleinen Fenster auf der Vorderfront wieder austreten und in den freien Himmel steigen. Glänzender intensiv farbig leuchtender Kunststoff unterstreicht die Fallhöhe zum Historischen des Raumes.
Gesagt, war zwei Jahre später getan. Im Juni 2019, nach einem Einbruch im Ausspann verbunden mit schwerem Vandalismus, war das Haus bereit für die Blitzidee von Frank Riepe. Jetzt erst recht.

Frank Riepe hatte in der Zwischenzeit seine Idee in ein ausgefeiltes Konzept überführt. Unter der Projektleitung von Ronald Phillips – Künstler und Begründer des Künstlerhaus Ausspann, der sämtliche Aktivitäten am und im Haus als Soziale Plastik versteht – wurde der Blitz sodann in einer einzigartigen, kreativen Zusammenarbeit mit Menschen, die das Haus besuchen, nutzen und unterstützen, materialisiert.
Nun ist er da. Er nimmt den Raum auf, passt sich an und bleibt dennoch eigenständiges Ereignis, das den Raum herausfordert, ihn umkrempelt, seine Nutzbarkeit verändert, neue Blickachsen schafft und die Nutzer*innen zu neuen Lösungen animiert. Die physische Größe des Objektes hat etwas Spektakuläres. Die Betrachter erleben den Blitz möglicherweise als optische Herausforderung, als Störer. Aber auch als konfrontativen Eingriff, der Lust macht, sich mit der Veränderung, die er evoziert auseinanderzusetzen. Wie ist es hier ohne dieses riesige Objekt? Wie kommt der Blitz ins Gebäude? Warum?

Frank Riepe *1962

Studium Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Musikwissenschaft, Philosophie

FR beginnt Anfang der 80er Jahre Klavier und Schlagzeug zu spielen, wird Teil der improvisierenden Musik- und Performance-Szene in Bielefeld. Mit seinen Künstlergruppen MEIER und AWP/arTwaRpeacE arbeitet er von Mitte der 80er Jahre bis Anfang der 2000er Europa weit. Neben der Eroberung des entstehenden Internets als öffentlicher Kunstraum prägen Auftritte, Ausstellungen und Kooperationen seine Arbeit im öffentlichen Raum in vielen europäischen Ländern. Viper/Luzern, emaf/Osnabrück, film+arch/Linz, Kunstverein Hamburg, Manchester, Reykjavik, Prag, sowie Aktionen im Umfeld der Skulpturenausstellung Münster und der documenta sind wichtige Stationen der Performance-Kunst FR und der Künstlergruppe.
FR realisiert skulpturale Eingriffe in Orte und Situationen, arbeitet mit sozialen und politischen Prozessen und gezieltem Einsatz von Öffentlichkeit als künstlerische Intervention.

2002 beendet er mit einer architektonischen Arbeit für das Bremer Polizeipräsidium seine künstlerische Arbeit für 15 Jahre.
Es folgen mehrere Jahre Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit für die Komödie Bremen/Waldau Theater.
2004 gründet er die Verlags- und Werbeagentur Lesefutter. Lesefutter veröffentlicht Kurzgeschichten und Lyrik auf Alltagsmedien wie Brötchentüten. Mit einer Gesamtauflage von 20 Mio. geht Lesefutter 2017 in das 13. Jahr seines Bestehens. Autoren und Autorinnen wie Susanne Stephan, Jess Jochimsen, Charlotte Richter-Peill, Wolfgang Bittner und andere zählen zu den regelmäßig präsentierten Schriftstellern.

Mit „Der Blitz für den Schnoor“ präsentiert Frank Riepe seine erste künstlerische Arbeit seit 15 Jahren.

Riepe (2019): „Die Arbeit/der Blitz will in Kontakt treten, Diskussionen starten und Menschen in Kontakt und in Bewegung bringen. Insofern ist alles, was um den Blitz herum passiert, Teil des Projektes, das am Ende zur Auseinandersetzung anregen will, wie man mit historischen Räumen umgehen kann ohne sie zu zerstören oder zu musealisieren. Was ja auch eine Form der Zerstörung wäre.“